Obwohl es an Studien zu Übersetzungskulturen der frühen Neuzeit nicht mangelt, dominieren hier nach wie vor gelehrte Wissenskulturen – die Translation von praktischen Texten, besonders zwischen volkssprachlichen Verschriftlichungen, ist noch weitgehend unerforscht. Dieses Paper präsentiert als Fallstudie die medizinischen Werke des Straßburger Wundarztes Hieronymus Brunschwig, publiziert um 1500, die bald aus dem Deutschen ins Niederländische und von dort ins Englische übersetzt und gedruckt wurden. Entgegen der Annahme, dass frühneuzeitlichen Übersetzungen zumeist freie Adaptionen darstellen, zeige ich, dass die (z.T. anonymen) Übersetzer dieser Werke eine Art "vernacular philology" betreiben – eine technisch fundierte Translation, die anders arbeitet als die gelehrte Philologie, dieser aber in Sachen Präzision und Wissensvermittlung in nichts nachsteht. Das Ausleuchten dieser bisher kaum erkannten Kultur des epistemischen Übersetzens wirft neues Licht auf die Kodifizierung und Translation praktischen, verkörperten Wissens im frühen Buchdruck, in Text und Bild.