Die frühneuzeitliche Chirurgie gründete in hohem Maße auf Handlungs- und Erfahrungswissen und manuellen Fertigkeiten, die sich die Chirurgen zumeist in einer mehrjährigen Lehre und den anschließenden Wanderjahren als Gesellen bei verschiedenen Meistern erwerben und schließlich in einer Meisterprüfung unter Beweis stellen mussten. Dieses umfangreiche, aber stark durch nonverbale Elemente geprägte Praxiswissen in Sprache und Schrift zu übersetzen, war eine Herausforderung, erst recht für die zahlreichen Bader und Barbiere, die damals die chirurgische Versorgung sicherten (akademisch gebildete Ärzte befassten sich zumindest nördlich der Alpen nur in seltenen Ausnahmen mit der praktischen Chirurgie). Der Vortrag untersucht vor diesem Hintergrund handschriftliche Aufzeichnungen, die sich diverse nicht-akademisch gebildete Chirurgen zum eigenen Gebrauch machten sowie Anweisungen zur konservativen und operativen Behandlung, die manche von ihnen für ihre Schüler, Söhne oder Nachfolger verfassten. Beispielhaft zeigt der Vortrag auf, wie die Verfasser der Handschriften dieses Wissen zu Papier brachten, was sie als nützliches, praxisrelevantes Wissen erachteten, welcher sprachlicher – und zuweilen auch visueller – Strategien sie sich bedienten, um die nötigen manuellen Fertigkeiten zu vermitteln, welche Wissensquellen sie benannten, und wie sie – soweit sie diese überhaupt rezipierten – Lehrbuchwissen in ihre Aufzeichnungen und Anleitungen integrierten.