Sektion 16:

ICH ICH ICH. Autorschaft und Identität in epistemischen und politischen Umbruchzeiten

Organisation: Christina Wessely, Lüneburg

In gegenwärtigen Wissens- und Textkulturen ist eine auffällige Konjunktur des Ich Sagens zu beobachten, das in unterschiedlichen Praktiken der Autorisierung, Selbstverortung und Legitimation wirksam wird. Die erste Person Singular fungiert dabei zunehmend als epistemischer, politischer und medialer Bezugspunkt. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit tiefgreifenden Umbrüchen – von Krisen geteilter Wirklichkeitsbezüge über die Politisierung von Identität bis hin zu den Herausforderungen maschineller Textgenerierung. Das Panel nimmt diese Konstellation zum Anlass, um Formen von Autorenschaft und personale Bezugnahmen historisch zu perspektivieren und als Indikatoren epistemischer wie politischer Transformationsprozesse zu untersuchen.

Aus wissenschaftshistorischer Sicht fragt das Panel danach, in welchen historischen Situationen personale Sprecherpositionen in wissenschaftlichen Texten und Praktiken an Bedeutung gewinnen, wie sie Wissen autorisieren und welche Konzepte von Erfahrung, Zugehörigkeit oder Situiertheit dabei mobilisiert werden.

Im Zentrum stehen Phasen diagnostizierter Erfahrungs-, Orientierungs- oder Autoritätskrisen, wobei dabei vor allem historische Genealogien wissenschaftlicher Autorschaft, das wechselvolle Verhältnis von Objektivitätsansprüchen und personaler Erfahrung, die Rolle von Identität und Betroffenheit in der Wissensproduktion sowie die Transformation von Autorfunktionen unter veränderten medial technischen Bedingungen in den Blick rücken.