Im Herbst 1940, mitten in den Spannungen des Zweiten Weltkriegs und den politisch begründeten Fluchtbewegungen aus Europa, erschien die erste Ausgabe der US-amerikanischen Zeitschrift Common Ground. Es war das erste US-Magazin, das ausschließlich Fragen der ethnischen Diversität und des interkulturellen Zusammenlebens gewidmet war. Das Ziel der Zeitschrift: «unity in diversity» – ein Brückenschlag zwischen den individuellen Erfahrungen kultureller Differenz und der Suche nach einem «common ground», nach Strukturen für ein gleichberechtigtes Zusammenleben aller in den USA lebenden Menschen, unabhängig von Herkunft, Kultur oder Religion. Perspektiven auf die und aus der italienischen Community sind in der Zeitschrift ebenso zu finden wie jene (süd-)osteuropäischer Einwanderer, jüdischer Flüchtlinge, in den USA lebender Japaner:innen, Afroamerikaner:innen und Native Americans. Ebenso vielfältig sind die Textgattungen, in denen dieser Brückenschlag versucht wurde: Autobiografische, oft literarische Ich-Erfahrungen interkultureller Begegnungen oder von Diskriminierung treffen auf Forschungsperspektiven zu kultureller Diversität, Theorien multikultureller Vergesellschaftung und Berichte über die Förderung des interkulturellen Zusammenlebens. Der Beitrag untersucht die epistemischen Passagen zwischen individuellen Erfahrungen und dem strukturellen Wissen kultureller und ethnischer Diversität, die diesem publizistischen Projekt zur Bildung eines Common Ground zugrunde lagen.