Nicht zuletzt aufgrund der häufig national organisierten Forschungsförderung wurde die Geschichte des Kalten Krieges in Nordeuropa bislang überwiegend im nationalen Rahmen untersucht. Netzwerke, die über die Ostsee hinweg entstanden sind, einschließlich der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, geraten dabei oft aus dem Blick. Die Erforschung der Wiederaufnahme deutsch-schwedischer Kontakte in Medizin und Naturwissenschaften nach 1945 steckt daher noch in den Anfängen. In diesem Vortrag werden Ereignisse beleuchtet, die zur Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen der Akademie der Wissenschaften der DDR und der Kungliga Vetenskapsakademien in Schweden führten. Grundlage bilden Reiseberichte von Wissenschaftler:innen aus der DDR, die ab Mitte der 1960er bis in die 1980er Jahre aus Schweden zurückkehrten. Auch unter Berücksichtigung der Erwartungen und Zwänge des Staatsapparats liefern diese Berichte neue Einblicke in die wissenschaftliche Zusammenarbeit und den Wissensaustausch über den Eisernen Vorhang hinweg. Ähnliche Berichte über europäische Austauschformen verdeutlichen zudem die Rolle von Akademien der Wissenschaften bei der Vermittlung von Wissen selbst in Zeiten internationaler Konflikte.