Alexa Geisthövel (Berlin)

Koordinieren und integrieren: Die Ständige Kommission für Gesundheitswesen des Comecon, 1975-1989

1975 gründete der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe, besser bekannt unter dem englischen Kürzel Comecon, eine Ständige Kommission für die Zusammenarbeit der sozialistischen Länder auf dem Gebiet der medizinischen Forschung und Versorgung. Diese Kommission definierte eine Reihe von „Komplexproblemen“, die es gemeinsam bzw. komplementär zu bearbeiten galt, von Krebs und Herzkreislauferkrankungen über Arbeitshygiene und Arzneimittel bis zur Steuerung von Gesundheitssystemen.

Am Beispiel der Transplantationsimmunologie, mit einem Schwerpunkt auf deutschen und tschechischen Quellen, soll die noch weitgehend unerforschte Arbeit dieses Gremiums skizziert werden. Im Mittelpunkt steht dabei das Konzept der „Koordination“, das auf allen Ebenen die Kommunikation der Beteiligten und die Zirkulation von Wissen prägen sollte, um die wissenschaftlich-technische „Integration“ des sozialistischen Raumes voranzutreiben. Die Fallstudie fragt, ob und wie dieses Schlüsselkonzept Translationsprozesse auf spezifische Weise prägte. Dies betrifft nicht nur die bi- und multilaterale Zusammenarbeit der Mitgliedsländer untereinander, sondern ebenso das mehr oder weniger abgestimmte Auftreten gegenüber westlichen/kapitalistischen Akteuren und internationalen Organisationen.