Der Astronom Wilhelm Julius Foerster entfaltete vielfache Aktivitäten zur Wissenspopularisierung: öffentliche Vorträge in der Berliner „Singakademie“ ab 1860, die Mitbegründung der „Gesellschaft Urania“ (1888) – mit Sternwarte, Theater sowie Experimentier- und Lernwerkstatt –, die Herausgabe der Zeitschrift Himmel & Erde sowie 1891 die Initiative zur „Vereinigung von Freunden der Astronomie und kosmischen Physik“, die Laien in Beobachtung und Datensammlung einband.
Der Vortrag begreift diese Aktivitäten als Modi von „Wissen in Translation“ und untersucht sie anhand von „Ego-Dokumenten“ (u.a. Foersters Memoiren), (populär-)wissenschaftlichen Publikationen, Presseartikeln sowie Archivmaterialien wie Berichten und Korrespondenz. Gefragt wird, wie sich (astronomisches) Wissen zwischen Beobachtungsstationen, Vortragssälen und Schaustätten, Redaktionsräumen und Vereinsnetzwerken bewegte und jeweils neu konfiguriert wurde: Welche rhetorischen Strategien, (audio-)visuellen Mittel, Medien und Apparate kamen zum Einsatz? Inwiefern wurde Wissen für bzw. in anderen sozialen Kontexten angepasst?
Während Foerster von einer Diffusion von Wissen ausging, zeigen die Quellen, dass Popularisierung nicht als einfache ‚top-down‘-Vermittlung verstanden werden sollte. Terminologien, Beobachtungspraktiken und Erkenntnisse wurden kontextabhängig ‚übersetzt‘. Insbesondere die „Vereinigung“ verdeutlicht, wie Laien als ko-produzierende Akteur:innen adressiert und selbst aktiv wurden – mit Folgen für Datenerhebung und Zuschreibungen wissenschaftlicher Leistung. Konflikte hinter den Kulissen der „Urania“ sowie Foersters ausbleibende Aufnahme in die Berliner Akademie der Wissenschaften verweisen zudem auf konkurrierende Modelle der Wissenspräsentation und -zirkulation. Foersters Engagement erscheint so als Aushandlungsraum von „Wissen in Translation“, in dem im ‚langen‘ 19. Jahrhundert mitbestimmt wurde, was als welches Wissen galt und wer an seiner Produktion teilhaben durfte.