Der Beitrag untersucht die frühe wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Mooren im Kontext des Diskurses um die Trockenlegung des Donaumooses im Kurbayern des 18. Jahrhunderts. Er fragt, inwiefern lokales Wissen über Moore übersetzt, selektiv integriert oder ignoriert wurde.
Im Kontext der zeitgenössischen Debatte um agrarische Reformen nahm die akademisch gebildete Schicht des Beamtenadels die Trockenlegung von Mooren als Chance wahr. Ihre Umwandlung in Ackerland sollte Gemeinwesen befähigen, mehr Bevölkerung zu tragen – ein Hauptziel zeitgenössischer ökonomischer Theorien. Die natürlichen Eigenschaften des Torfbodens wurden dabei meist nicht berücksichtigt. So wurde in den Jahren 1790 bis 1793 das Donaumoos nahe Ingolstadt weitgehend trockengelegt. Dies stieß auf lokalen Widerstand, da das Moor davor als gemeinschaftlich bewirtschaftete Viehweide extensiv genutzt worden war. Die Kolonien scheiterten darauf am unfruchtbaren Torfboden.
Hier treten zwei vormoderne Wissensregime in Erscheinung: Ein auf Textwissen basierender Kenntnisstand beanspruchte hegemoniale Deutungsmacht über die nicht-menschliche Natur. Das hier verbreitete „explicit knowledge“ stand einem „local knowledge“ entgegen, das in Praktiken der extensiven Bewirtschaftung des Moorbodens verkörpert war. Da die Trägerschaft des Letzteren hauptsächlich subalterne Gruppen waren, kamen sie in der Debatte nicht zu Wort. Der Agrarreformer Simon Rottmanner kritisierte dies: Praktizierende Landwirte verstünden ihre Arbeit besser als diejenigen, die sie nur in „Zimmern studiren“. (Rottmanner 1797)
Der Beitrag fragt, welche Wissensbestände im Diskurs um das Donaumoosprojekt mobilisiert wurden und in welchem Umfang zwischen akademischem Diskurs und marginalisiertem lokalem Wissen tatsächliche Übersetzungen stattfanden – oder ob Ignoranz überwog. Damit wird gezeigt, wie Feuchtgebiete als Objekte agrarischer Reform und wissenschaftlicher Expertise epistemische Brüche und Wissenshierarchien sichtbar machen.